“Wir brauchen deshalb mehr Reha”

Die Schweiz befindet sich bei der Spitalfinanzierung im Umbruch – ab 2012 wenden die Akutspitäler die Fallpauschale an. Ein Interview mit Dr. med. Werner Karrer, Chefarzt der Luzerner Höhenklinik Montana, beleuchtet die Konsequenzen für die Rehabilitation:

RehaPortal: Wenn in Schweizer Akutspitälern die Fallpauschale Einzug hält, welches sind medizinisch gesehen die Folgen für die Rehakliniken wie die LHM? Werden die Patienten in einem „andern Zustand“ in Ihre Klinik kommen? Und, wenn ja, was heisst dann „anders“?

Dr. Karrer: Die Fallpauschale wurde propagiert, um die Spitäler zu kürzeren Aufenthaltsdauern zu zwingen, was sparen lässt, wobei man heute lieber von „optimieren“ spricht. Grundsätzlich dürfte deswegen keine medizinische Verschlechterung eintreten. Aus bisher gemachten Erfahrungen weiss man, dass die Aufenthaltsdauer tatsächlich verkürzt wird. Es gibt ja bereits Fallpauschalen, auch in der Schweiz, wenn auch noch nicht im differenzierten Sinne.  Die Patienten treten also früher aus dem Akutspital aus.

Das hat eine Mehrbelastung in der nachfolgenden Behandlungskette zur Folge, weil der Patient in einem früheren Stadium der Krankheit in die anschliessende Behandlung  übertritt. Der Behandlungs- und der Pflegebedarf werden sich ausgeprägter zeigen als bisher. Das ist auch eine gewisse Chance für die Rehabilitationsklinik, auf die man inskünftig weniger als bisher verzichten kann. Die Behandlung wird sich verlagern, wir brauchen deshalb mehr Rehabilitation. Deshalb bauen verschiedene Kantone ihr Rehabilitationsangebot aus.

RehaPortal: Nimmt die Zahl der Einweisungen zu? Welches sind die unternehmerischen, finanziellen Folgen?

Dr. Karrer: Für die Rehabilitation bedeutet das Gesagte wohl um die 10 Prozent mehr Fälle, was die Auslastung verbessert. Aber: Es wird wahrscheinlich teurer werden, weil wir bei der Behandlung und Pflege mehr aufwenden müssen. Reha wird mit Einführung der Fallpauschalen nicht billiger. Das relativiert natürlich den Spareffekt.

RehaPortal: Wären Fallpauschalen auch in der Rehabilitation denkbar, sinnvoll?

Dr. Karrer: In der Rehabilitation werden erst ab 2015 Pauschalen eingeführt. Aber es werden voraussichtlich Tagespauschalen sein, mit Abstufung je nach Schweregrad und medizinisch-pflegerischem Aufwand. Die Messinstrumente für diese Abstufung liegen aber noch nicht definitiv vor. Das bedeutet jedenfalls eine Durststrecke 2012 bis 2015 in der Rehabilitation.  Aufgrund des Kostenverteilers entsteht beispielsweise für die Luzerner Höhenklinik Montana eine Lücke von 2 Millionen Franken pro Jahr, die man auf unterschiedliche Weise wettmachen kann.

RehaPortal: Wie sieht die Lösung aus?

Dr. Karrer: Entweder spart die Rehaklinik diese Summe selber ein, oder die Tarife werden entsprechend angehoben. Oder der Kanton kommt dafür auf, denn eine Quersubventionierung durch den Konzern Luzerner Kantonsspital (LUKS) ist auf längere Sicht kaum denkbar.  Der Kanton kann sich zwar nicht um die Rehabilitation als Teil der Gesundheitsversorgung drücken, aber er kann diese Versorgungspflicht mit einer eigenen Klinik oder aber durch ausserkantonale Verlegungen erfüllen. Die zweite Lösung könnte für den Kanton allerdings sehr viel teurer werden, da der Kanton dann auf die Preise der ausserkantonalen Institutionen keinerlei Einfluss mehr ausüben kann und bezahlen muss, was verlangt wird.

Die LHM wird weiterhin ihren Leistungsauftrag erfüllen. Aber wenn die Klinik selbsttragend sein soll, dann werden sich einschneidende Sparmassnahmen aufdrängen, wobei dann speziell darauf geachtet werden muss, dass die Qualität der Behandlung nicht darunter leidet. Die LHM stellt sich aber zuversichtlich diesen Herausforderungen!

 

 

 

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